Was gestern auf dem Ölmarkt geschah, gab es noch nie zuvor: Negative Preise beim WTI Öl-Future.

21. April 2020

Der Terminkontrakt für US-Rohölpreise der Sorte WTI fiel gestern um mehr als 300% und wurde damit zum ersten Mal in der Geschichte negativ. Viele Händler die Terminkontrakten auf physischen Rohöl abgeschlossen hatten, und keine Auslieferung des Öls wollen, sahen sich gezwungen ihre Anteile mit hohen Abschlägen zu verkaufen, da der Kontrakt heute verfallen ist. Den meisten Spekulanten fehlt es schlichtweg an erforderlichen Lagerkapazitäten, um das überschüssige Öl einzulagern. Der Preis für Rohöl für West Texas Intermediate (WTI) für die Lieferung im Mai, brach daher massiv ein und lag kurz vor Mitternacht (dem Verfall) bei minus 37,63 USD pro Barrel. Jeder der einen „long“ Kontrakt besitzt, muss wenn er den Handel einstellt, physisches Rohöl abholen. Das kann man nun so interpretieren, dass Produzenten die Händler dafür bezahlen müssen, damit diese ihnen das Öl abnehmen.

Auch wenn die OPEC und ihre ölproduzierenden Verbündeten am Anfang des Monats einem historischen Deal schlossen, der die Reduzierung der Produktion um fast 10 Millionen Barrel pro Tag ab dem 1. Mai vorsieht, bleibt es fraglich, ob dies ausreichen wird, um dem Nachfragerückgang entgegenzuwirken. Das beflügert nun einige Marktteilnehmer schwimmende „Onshore-Speicher“ zu leasen, um auf einen späteren Gewinn zu spekulieren, sobald sich die Preise wieder erholen. Doch die weltweite Ölspeicher-Kapazität dürfte sich schnell füllen.

Auch Hoffnungen, dass es heute besser laufen würde, wurden inzwischen zunichte gemacht. Die WTI-Verträge für Juni fielen über Nacht zeitweise um bis zu 42% auf unter 12 USD pro Barrel. Als Reaktion auf den Preisverfall teilte Saudi-Arabien und andere OPEC-Mitglieder mit, dass sie in Betracht ziehen, ihre Ölproduktion so schnell wie möglich zu reduzieren, anstatt bis zum 1. Mai zu warten. Währenddessen debattiert auch die Trump Administration, saudische Röhlimporte zu stoppen und die srtrategischen Reserven zu erhöhen.

Die US-Energiewirtschaft hat die Federal Reserve gebeten, die Bedingungen einer Kreditfazilität in Höhe von 600 Milliarden US-Dollar zu ändern, damit Öl- und Gasunternehmen diese Mittel zur Rückzahlung von Schulden verwenden können. Zehntausende von Arbeitnehmern wurden in den letzten Wochen von amerikanischen Energieunternehmen, darunter Halliburton Co, Schlumberger NV und Apache Corp, beurlaubt, da die Produzenten ihre Ausgaben gekürzt haben. Besonders die US-Schieferproduzenten stehen unter großem Druck von Investoren, Kosten zu senken und Renditen zu steigern. Da viele mit erheblichen Schuldenlasten und sinkenden Erträgen belastet sind. Schieferproduzenten bereiten sich auf mögliche Insolvenzanträge vor.

Fazit: Der extreme Verkauf, den wir gestern im Rohölmarkt gesehen haben, der von einem einfachen Mechanismus angetrieben wurde, deutet auf extreme Zwangsverkäufe hin. Spekulanten die keine physische Lieferung annehmen können, sahen sich gezwungen ihre Verträge zu verkaufen, egal zu welchen Preis.


Dirt-Cheap-Crude, auch als WTI bekannt, forderte eine weitere Pleite: Das Offshore-Bohrunternehmen Diamond Offshore Drilling ist das jüngste Opfer des Ölpreiscrashs. Hunderte US-Ölfirmen könnten in den kommenden Monaten folgen. – Freebird Capita

1 Monat ago

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