Dirt-Cheap-Crude, auch als WTI bekannt, forderte eine weitere Pleite: Das Offshore-Bohrunternehmen Diamond Offshore Drilling ist das jüngste Opfer des Ölpreiscrashs. Hunderte US-Ölfirmen könnten in den kommenden Monaten folgen.

29. April 2020

Diamond Offshore Drilling (NYSE:DO) beantragte am Sonntag die Umstrukturierung gemäß Kapitel 11 des US-amerikanischen Insolvenzgesetzes, nachdem das Unternehmen bekannt gab, keine fälligen Zinszahlungen zu leisten und Restrukturierungsberater zu beauftragen. Damit ist das Unternehmen, welches Ende 2019 circa 2.500 Mitarbeiter beschäftigt, nach Whiting Petroleum das zweitgrößte Opfer des Ölmarktcrashs.

Die COVID-19 Pandemie hat dazu geführt, dass die Ölnachfrage so stark eingebrochen ist, dass die weltweiten Lagerkapazitäten inzwischen zunehmend ausgeschöpft sind, um das geförderte Erdöl einzulagern. Der Ölpreis stürzte zeitweise auf unter 10 USD pro Barrel ab. Die NYMEX WTI-Öl-Future Kontrakte für die Lieferung von Rohöl im Mai fielen am Montag vergangene Woche in den negativen Bereich, etwas was noch nie zuvor in der Geschichte geschehen war. Es war mit Sicherheit der schwärzeste Tag auf dem Ölmarkt, den es je gab. Infolge dessen ist die weltweite Nachfrage nach Bohrdienstleistungen, die in der Vergangenheit vom Ölpreis abhängig war, zusammengebrochen. Kontrakte für die US-Rohöl Lieferung im Juni werden aktuell zwischen 10 und 13 USD pro Barrel gehandelt. Viele Ölfirmen haben sich in guten Zeiten zu stark verschuldet und einige von ihnen werden diesen historischen Abschwung nicht überleben. Laut einer Analyse von Artem Abramov von Rystad Energy könnten hunderte amerikanische Ölexplorations- und Produktionsunternehmen (E&P) in den kommenden Monaten Insolvenz anmelden, dabei spielt natürlich der Ölpreis, für die Anzahl der Insolvenzen, die entscheidende Rolle:

30 USD pro Barrel – 2020: 73 / 2021: 170

20 USD pro Barrel – 2020: 140 / 2021: 393

10 USD pro Barrel – 2020: 437 / 2021: 730

Laut Abramov muss bei 10 US-Dollar fast jedes US-amerikanische E&P-Unternehmen, das Schulden hat, Kapitel 11 einreichen oder andere strategische Chancen in Betracht ziehen. Es ist kaum vorstellbar, dass 100 Insolvenzen noch eine eher optimistische Annahme darstellen. Das sagt schon viel über die aktuelle Situation am Ölmarkt aus.

Vor diesem Hintergrund wurde das Geschäft von Diamond Drilling, mit Hauptsitz in Houston, Texas schwer getroffen. Das Unternehmen bietet Auftragsbohrdienstleistungen für die Energiewirtschaft auf der ganzen Welt an und verfügt über eine Gesamtflotte von 15 Offshore-Bohrinseln. Das Unternehmen ist u.a. im Golf von Mexiko, Brasilien und in der Nordsee/U.K. aktiv. Zu den größten Kunden zählen Hess (HES) und Occidental Petroleum (OXY). Der Jahresbericht für das Geschäftsjahr 2019 (Form 10-K) von Diamond Offshore Drilling offenbart einen Schuldenberg von 2,6 Milliarden USD, wovon 2 Milliarden USD auf langfristige Schulden entfallen. Dem gegenüber stehen lediglich 156 Mio. USD in bar.

Der Aktienkurs fiel am Montag im Premarket-Handel um 61% auf 36 Cent, nachdem der Offshore-Bohrspezialist seinen letzten Schritt zur Restrukturierung seiner Schulden unternommen hatte. Die Stammaktien des Unternehmens wurden im Rahmen der Delisting-Entscheidung für den Handel an der New York Stock Exchange (NYSE) ausgesetzt und notieren inzwischen unter dem Symbol „DOFSQ“ für den Handel an den OTC Pink-Märkten. Die Marktkapitalisierung von Diamond Offshore ist inzwischen auf unter 100 Millionen US-Dollar gefallen.

Source: https://finviz.com/quote.ashx?t=DO&ty=c&ta=0&p=m

Fazit: Fossile Brennstoffe befinden sich in einem langfristigen strukturellen Niedergang. Durch die Corona-Krise haben die größten US-amerikanischen Ölproduzenten ihre Ausgaben, als Reaktion auf den extremen Preisverfall am Ölmarkt, deutlich gesenkt. Somit droht vielen Exlporations- und Bohrunternehmen im Energiesektor der Konkurs. Diamond Offshore wird sicherlich nicht das letzte Ölunternehmen bleiben, welches diesen Weg in die Insolvenz gehen wird, da es anscheinend wenig Sinn macht wertvoller Liquidität zur Bedienung von Schulden zu „verschwenden“. Investoren sollten auf eine Welle ähnlicher Schritte bei den Kollegen in der Offshore-Bohrindustrie gefasst sein. Die gesamte Öl-Branche wird unserer Ansicht mehrere Jahre benötigen, um sich zu konsolidieren.

© 2020 David Krause